Es gibt allen Unkenrufen zum Trotz großes Engagement für Flüchtlinge auf Usedom

Es haben sich spontan zwei Gruppen der auf gegründet, noch bevor die eingetroffen sind – sie nennen sich „YOU’RE WELCOME – USEDOM HILFT“. Es wird von je 117 Hilfesuchenden in Heringsdorf und im Amt Usedom Nord und 153 im Inselsüden ausgegangen.

„Das hier ist eine echte Lehrveranstaltung. Sie beginnen mit der Arbeit, noch bevor die ersten Flüchtlinge da sind. Besser geht es nicht.“ meinte Annett Freyer vom Demokratieladen Anklam. Das Aktionsbündnis – Vorpommern, wie auch andere Initiativen haben ihre für beide Gruppen zugesagt, da Nazis bei jedem Treff in Ückeritz meinten, eine Gegendemonstration veranstalten zu müssen.


1. Die Usedom Gruppe Nord hat sich bereits das dritte Mal getroffen und konnte einhundert ehrenamtlich Engagierende verzeichnen. Sofort in Arbeitsgruppen eingeteilt, war sie bereits nach zwei Wochen arbeitsfähig. So kann man jetzt davon ausgehen, dass zur Begrüßung der Flüchtlinge auf der Insel Usedom inzwischen feste Zuständigkeiten organisiert sind. Bernd Meyer vom Aktionsbündnis – Vorpommern ist einer der Mitbegründer und bittet für die von ihm geleitete Gruppe „Individuelle Betreuung“ um weitere Angebote von Unterkünften, für deren Anmietung das Landratsamt gerade Drei-Jahres-Verträge entwickle. Tilman Beyrich bittet um die Unterstützung weiterer Freiwilliger, denn auch Peter Biedenweg weiß, dass jede Hand gebraucht wird. Bereits diese Woche wird auf Usedom die Ankunft der ersten Flüchtlinge erwartet, so Martin Bartels, der für die Gruppe “Ersthilfe” beim Eintreffen der Flüchtlinge zuständig ist. Es wird Gruppen geben wie „Sprachunterricht“ um durch Kontakte Sprachanlässe zu schaffen, damit die Neuankömmlinge Gelegenheiten finden, deutsch zu üben. Für die Gruppe „Ärztliche Hilfen“ berichtete der Arzt Ulrich Faust, dass sie eine Sammelstelle für Medikamente, Verbandsmaterial, Brillen und Musikinstrumenten eingerichtet haben und für erste ärztliche Untersuchungen zur Verfügung stehen. So haben sie auch andere Ärzte im Kreis um Unterstützung gebeten, doch die Reaktion sei bislang noch verhalten. Es wird die Gruppe „Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“ geben, um klare Fähigkeiten und Zeitangebote machen zu können. Die Gruppe „Bürgerkontakte Kleiderkammern“ unterstützt die Bemühungen des Heringsdorfer Bürgermeisters, eine Kleiderkammer in Labömitz einzurichten.

Eine absolute Bereicherung für alle Anwesenden in Ückeritz stellten dann die praktischen Ratschläge von Harald Rinkens, Mitbegründer unseres Bündnisses vor, der aus seinen fast zweijährigen Erfahrungen als ehrenamtlicher Flüchtlingsbetreuer in Torgelow berichtete. Für Harald Rinkens als „Macher“ ist es wichtig „den Flüchtlingen auf Augenhöhe zu begegnen und auf jeden Fall ihre Sprachkenntnisse zu fördern. Er riet zu Beschäftigungsangeboten zu festen Zeiten“. Außerdem zählte er mehrere Unterstützungsbeispiele für Flüchtlinge auf mit dem Zusatz „Im Umgang mit den Behörden sind dicke Bretter zu bohren. Geben Sie nicht auf, es geht alles, aber es dauert.“

2. Die “Usedomgruppe Süd” traf sich mit ca. 40 Personen am 24. September in der Seeklause in Trassenheide unter der Leitung der Moderatoren Thomas Meier und Hannes Albers ebenfalls in ihre Arbeitsgruppen. Sie bitten ebenfalls um weitere Mithilfe, für folgende Gruppen:

“Soforthilfe für die ersten 24 Stunden”, die sich um Vorbereitungen für die Ankunft der Flüchtlinge kümmert und den Kontakt zu den Ämtern hält. Angedacht war eine Gruppe zur Mobilen Ausrüstung, dazu gehören Handys, evtl. die Vermittlung von Internetcafés, Scypemöglichkeiten, da der Kontakt der Flüchtlinge von Deutschland aus mit ihren Familien manchmal das erste Lebenszeichen nach ihrer Odysse durch alle Länder ist. Hier können sich dramatische Szenen abspielen, wenn sie dann ihren Eltern oder Geschwistern berichten. In dieser Gruppe war auch an Spenden von Fahrrädern gedacht, damit Asylsuchende mobil sein können. Bei der Gruppe “Individuelle Betreuung”, geht es um Patenschaften, die Asylsuchende auf Ämter und zu Arztbesuchen begleiten. Da auch in Rechtsfragen angedacht ist, sind in diesem Team dringend Juristen erwünscht. Bei der “Gruppe Sprachunterricht” meldeten sich die meisten Freiwilligen. Bei der Gruppe “Ärztliche Hilfen” wurde auf den Arzt Ulrich Faust der Initiative Süd verwiesen und um Teilnahme weiterer Ärzte und Krankenschwestern für Vermittlung von ärztlicher Betreuung und therapeutischer Beratung bei traumatisierten Menschen gebeten. Auch für die Gruppe “Betreuung von Kinder und Jugendliche” meldeten sich viele. Es geht um Kreativ-Nachmittage, Ausflüge, Schulbegleitung und Hilfe bei Schularbeiten. Es wird eine Gruppe “Bürgerkontakte – Spenden” geben, wobei es hier auch um Sachspenden geht, wie z.B. Fahrradverleiher, die Alträder am Ende der Saison zur Verfügung stellen. Da bei beiden Initiativen auch das Jobcenter zugegen war, wird durch die Gruppe “Arbeit und Praktika” eine Kooperation angestrebt, damit eine rasche Vermittlung von Arbeitsgelegenheit für Flüchtlinge möglich wird.

Am Rande wurde auf eine interessante Initiative aus Greifswald verwiesen, an der sich jeder beteiligen kann. „Bildung im Schuhkarton“ nannte sich das Projekt. Lernutensilien, wie Hefte, Blöcke, Stifte, Dreiecke, Fibeln und Lehrbücher für Kinder und Jugendliche können im Schuhkarton in der Caritas Greifswald – „Quartiersbüro“ , Schönwalde II, in der Makarenkostraße 12, abgegeben werden.
Die kommende Sitzung ist wieder am Donnerstag, den 1.10.2015 um 18.00 Uhr in der Seeklause in Trassenheide.

Für alle Ehrenamtlichen gibt es einen Sammelversicherungsvertrag, der in losen Strukturen agierende Freiwillige per Haftpflicht- und Unfallversicherung schützt.

Beide Initiativen bitten nicht nur Insulaner um tatkräftige Unterstützung unter:
info@usedom-hilft.de oder spenden@usedom-hilft.de

gez. Ursula Heldt

www.vg-weltoffen.eu