VG weltoffen - Newsletter

vom 24. Mai 2017

Hallo Bündnis-Interessierte*r],
hier wieder die aktuellsten Infos von deinem Aktionsbündnis: 3. Teil

---

Liebe BündnismitstreiterInnen,

lust but not least folgt der 3. und letzte Teil des heutigen Newsletters, die Antwort der BI Wolgast:

Bürgerinitiative für den Erhalt des Kreiskrankenhauses Wolgast e.V.
Eine Initiative für den Erhalt der praxisbewährten Strukturen und deren Weiterentwicklung

Sehr geehrter Herr Kochhan,
wenn Sie einen fairen Dialog mit uns wünschen, sollte diese Absicht nicht mit einer Terminstellung beginnen. Jedenfalls ist das für uns befremdlich. Gleichwohl wollen wir entsprechend auf Ihre Vorwürfe reagieren.

Die von Ihnen erwähnte Veranstaltung am 3.11. war nicht die erste, die wir mit der FFDG
gemeinsam vorbereitet und durchgeführt haben. Praxis war dabei jeweils, dass sowohl wir als
auch die FFDG getrennte Veranstaltungen beim Ordnungsamt angemeldet haben, dabei aber
betonten, dass wir gemeinsam agieren werden.
Es ist eine nicht ganz zutreffende Behauptung, dass Norbert Kühl die Demo leitete, moderierte und kommentierte. Neben ihm wurde der Umzug auch von einem BI-Ordner mit Megafon begleitet. Die Moderation fiel Norbert Kühl zu, weil es seine Technik war, die dort zum Einsatz kam, da die BI nicht über eine äquivalente Anlage verfügt. Wir hätten sonst die Ansprachen unprofessionell über ein Megafon realisieren müssen. Sie haben sich selbst vor Ort überzeugen können, dass seine Moderation, kleine Überleitungen eingeschlossen, in keiner Weise negativ gefärbt waren. Warum Sie der FFDG nicht zugestehen wollen, den Kundgebungsort mit Deutschland-Fahnen zu schmücken, erschließt sich uns nicht. Sind FFDG-Leute zwar Deutsche, denen man aber verbieten muss, nationale Symbole zu verwenden?
Sie bestätigen in einer Fußnote Ihres Schreibens, dass (möglicherweise dank Ihrer
Gegenaktivitäten) die, nennen wir es der Einfachheit halber zusammenfassend nationalistische Aktivitäten, der FFDG nachgelassen haben. Warum wollen Sie das der FFDG nicht auch als Lernfähigkeit zugestehen? Hier wollen wir durchaus auch unseren Einfluss in dieser Richtung erwähnen: Vor der ersten gemeinsamen Veranstaltung hat es stundenlange Gespräche mit dem Ziel gegeben, die von Ihnen geschilderten, auch für uns unakzeptablen Artikulierungen. Denn der Vorstand hatte die große Verantwortung, gegenüber Skeptikern und scharfen Kritikern in unseren Reihen eine Garantie dafür zu geben, dass es keine "Entgleisungen" geben wird. Hier ist auch die von Ihnen mit einem Webseiten-Zitat erwähnte Veranstaltung in Greifswald zu nennen. Allerdings ist unfair, wenn Sie unsere Webseite zitieren, dass Sie das im Schnitzler-Stil tun1, indem Sie das Zitat aus dem Zusammenhang reißen. Dort steht nämlich auch:
"Kritiker sowohl in den eigenen Reihen als auch bei der FFDG sollten, bevor sie ihre
Verurteilungen heraus schreien, einmal ihren eigenen Standpunkt bezüglich gegenseitiger
Achtung, humanitärer Hilfe und Menschenrechten klären." Und unter "Verurteilungen" ist noch ein weiterer Link zu Erklärungen zu finden. Haben Sie dem etwas hinzu zu fügen, Herr Kochan? Und die dortigen Aussagen gelten auch weiterhin, auch wenn Sie es bezweifeln. Sehen Sie z.B. auf jüngeren Artikeln unserer Webseite nach! Da kommt allerdings auch eine Gegenfrage unsererseits ins Spiel: Was hat Ihre Organisation eigentlich dafür getan, dass der Druck gegenüber den verantwortlichen Politikern und Managern eine eine Massendimension annimmt? Wenn es genug "lupenreine Demokraten" in unserer Region gäbe, die auch bereit sind, ihren bequemen Sessel zu Hause einmal zu verlassen oder nicht nur lauernd hinter ihrer Gardine stehen würden, dann könnten wir auch gern auf das nicht in Abrede zu stellende Risiko mit der FFDG verzichten. Und wie erfolgreich eine von Ihnen geforderte ideologische Abspaltung sein kann, können Sie z.B. mal bei der USPD rekapitulieren.
Nun noch zu Ihren Vorwürfen gegenüber den Rednern. Es wäre sicher egal gewesen, ob Prof.
Weber am Anfang oder am Ende der Veranstaltung gesprochen hätte- Sie hätten es in jedem
Falle als suspekte Dramaturgie gebrandmarkt. Weil Prof. Weber offensichtlich für Sie ein rotes Tuch ist! Warum können Sie sich nicht mit dem Charme seiner Rechnung anfreunden, dass man im Landtag jetzt für eine erneute Abstimmung zum KKH problemlos eine Mehrheit organisieren könnte? Allerdings darf man seit der kürzlich stattgefundenen Diskussion des BI-Vorstandes mit Vertretern der LINKEN (s. unsere Webseite) die Befürchtung haben, dass sie aus ideologischer Verbohrtheit die AfD im Regen stehen lassen würden. Ob das im Interesse der Wähler wäre, darf man bezweifeln. Da kommen wir aber vom Thema ab.
Warum sind Sie, Herr Kochan nicht so wie der mutige CDU-Vertreter aus Schwerin, der sich
ausrechnen konnte, dass er ausgepfiffen wird, an das Mikrofon gegangen? (nur eine kurze
Bemerkung zu dem Pfeifkonzert: er bekam es als Erbe der unverständlichen CDU-Politik im
Landtag, für die er selbst als newcomer ja gar nichts konnte, seine Botschaft war ansonsten ok) Und dass Herr Dahlemann nicht anwesend war, hat er in einem Telefonat mit einem BIVorstandsmitglied vertrauensvoll besprochen, so wie er später akzeptiert hat, dass die BI
Argumente hat, sich nicht öffentlich von der FFDG zu distanzieren, worüber Sie sich ja auch
schon wieder aufregen. Demokraten achten eben manchmal andere Standpunkte, ohne sich
ihnen anzuschließen!
Absurd ist es, die Redner alle zu verurteilen, weil sie ja gewusst haben mussten, auf was für einer Veranstaltung sie da geredet haben. Ob das schon Pogromhetze ist? Dazu sollten Sie sich einmal äußern, aber ohne eine Terminstellung unsererseits.
Abschließend zu dem Vorwurf, "dass Fremdenfeindlichkeit und offener Rassismus durch solche gemeinsame Veranstaltungen in die Mitte der Gesellschaft gelangen. Glaubwürdiges Eintreten für ein weltoffenes und demokratisches Vorpommern wird dadurch zumindest erschwert." Sie werden es möglicherweise nicht wissen: Vorpommern war neben Schleswig-Holstein und anderen westdeutschen Regionen 1945 schon einmal massives Einwanderungsland. Auch da hat es Hass und Missgunst gegeben, obwohl diese Flüchtlinge damals wirklich keine andere Wahl hatten (das Wort Alternativlosigkeit war zu dieser Zeit noch nicht Mode). Allerdings war der Wohlstand der damaligen Einheimischen nicht mit dem heutigen zu vergleichen. Wohl auch deshalb hat der heutige "Fremdenhass" einen schärferen Charakter. Aber er wird auch durch gravierende Fehler in der Informationspolitik angestachelt ("es kommen gebildete Leute in unser Land, die wir dringend brauchen"- dass diese bedauernswürdigen Leute seit Jahren auf der Flucht sind und vielleicht 5 Jahre keine Schule mehr gesehen haben, wird ignoriert, "die Kriminalität in Deutschland wird nicht von Ausländern dominiert"- die "Menschen da draußen", wie sich Politiker abgehoben auszudrücken pflegen, haben eine andere Wahrnehmung!). Hinzu kommt Hilflosigkeit
der Administration und sinnloser Bürokratismus, der kaum dafür sorgt, dass allgemein bekannter Pass-Missbrauch erkannt wird. Das sind nur einige Beispiele dafür, dass fremdenfeindliche Propaganda auf fruchtbaren Boden fällt. Es gilt also, diese Grundlage und nicht die "Feindpropaganda" primär zu bekämpfen (übrigens genau so, wie es gilt, die Kriege und andere Fluchtursachen und nicht die Flüchtlinge zu bekämpfen- sagen Sie doch mal was gegen die deutschen Waffenexporte!). Und jetzt kommen Sie daher und heizen diese Situation mit Distanzierungsforderungen an, anstatt dämpfend und ausgleichend zu wirken. Die Massen polarisieren und sich dann wundern, dass plötzlich ein Diktator dem Spuk ein Ende bereitet- ist das ein Zukunftsrezept? Dann senden Sie doch mal ein richtiges Signal! Die Gesellschaft zu spalten und sich als Gutmenschen zu profilieren ist für die BI kein solches.

Mit freundlichen Grüßen
Anke Kieser               Dr. Brigitte Knappik
Vereinsvorsitzende     stellvertr. Vereinsvorsitzende

Vielen Dank für´s Lesen!
Bis demnächst.... - oder auch auf:

Sie erhalten diesen Newsletter, weil die Email-Adresse subscriber in den Email-Verteiler von Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt! eingetragen wurde. Sollten Sie keinen Newsletter mehr wünschen, können Sie sich hier abmelden: